Österreichisches Rotes Kreuz: „Fäkalschlammanalyse in der Katastrophenhilfe“

Österreichisches Rotes Kreuz: „Fäkalschlammanalyse in der Katastrophenhilfe“

In der modernen Katastrophenhilfe stellt der sichere Umgang mit Fäkalschlamm eine Herausforderung dar. Es gilt die Verbreitung von Seuchen zu verhindern und langfristige Umweltschäden einzudämmen. Das Österreichische Rote Kreuz hat gemeinsam mit PartnerInnen ein mobiles Feldlabor zur Qualitätskontrolle der Fäkalschlammbildung entwickelt, welches international eingesetzt wird.

Das Projekt des Österreichischen Roten Kreuzes wurde beim Neptun Wasserpreis 2019 mit dem ersten Platz in der Kategorie WasserFORSCHT und 3.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Im Live-Saal-Voting am Preisverleihungsabend gewann das Projekt außerdem auch den Neptun Hauptpreis (und weitere 3.000 Euro Preisgeld).

Die sichere Entsorgung und Behandlung von Fäkalschlamm zur Gesundheitssicherung ist in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe von äußerster Relevanz. Auch wenn eine adäquate Fäkalschlammbehandlung vor Ort erfolgen kann, ist die Analyse des Fäkalschlamms zur Sicherung des Behandlungserfolgs oft nicht möglich, da die Distanz zu den Laboren zu groß ist. Im Jahr 2017 reagierte ein Konsortium unter der Leitung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) zusammen mit dem Österreichischen Roten Kreuz, WASTE NL und dem Industriepartner Butyl Products Ltd. auf diesen Bedarf. In einem vom Humanitarian Innovation Fund (HIF) geförderten Projekt wurde gemeinsam ein mobiles Feldlabor zur Fäkalschlammanalyse entwickelt. Der 2017 an der BOKU Wien entwickelte Prototyp wurde sowohl in Österreich als auch in einem mehrwöchigen Feldtest in Malawi unter einsatznahen Bedingungen erprobt. Im ebenfalls vom HIF geförderten Nachfolgeprojekt wurde das Wissen rund um das neu entwickelte Labor auf fachspezifischen Veranstaltungen sowie durch Publikationen geteilt. Außerdem wurden bei einem Training in Uganda LabortechnikerInnen mehrerer Rotkreuz-Gesellschaften im Aufbau und Betrieb des Labors ausgebildet.

Im Oktober 2018 wurde ein Feldlabor von der internationalen Föderation des Roten Kreuzes nach Bangladesch versandt. Dieses soll dort BetreiberInnen von Fäkalschlammbehandlungsanlagen in Flüchtlingscamps der Rohinga Daten liefern, um die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig sicherzustellen.

Die Jury des Neptun Wasserpreises 2019 sieht in diesem Projekt einen sehr hohen Nachhaltigkeitsgrad und eine hohe praktische Anwendbarkeit. Das Feldlabor ist kostengünstiger als herkömmliche Methoden und erlaubt eine schnelle Reaktion vor Ort, was es besonders für den Katastrophenfall relevant macht. Es ist mobil und kann dort zum Einsatz kommen, wo die reguläre Infrastruktur ausfällt.  Das Labor wurde international bereits erfolgreich eingesetzt. Die soziale Komponente und die hohe Relevanz der Fragestellung haben die Jury überzeugt – das Projekt ist WasserFORSCHT Sieger 2019.

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