Johannes Leimgruber (TU Graz): „Back to the roots – Mit grüner Infrastruktur zurück zum natürlichen Wasserkreislauf“

Johannes Leimgruber (TU Graz): „Back to the roots – Mit grüner Infrastruktur zurück zum natürlichen Wasserkreislauf“

Die zunehmende Urbanisierung und die damit verbundene Flächenversiegelung stören den natürlichen Wasserkreislauf. Es kommt zu negativen Effekten wie urbanen Hitzeinseln oder Überflutungen.

Damit Regenwasser möglichst seinem natürlichen Kreislauf zugeführt wird, setzen Städte auf Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung und verschiedene Formen der Regenwasserversickerung. In seiner Dissertation an der Technichen Universität Graz präsentierte Johannes Leimgruber eine Methode um diese unterschiedlichen Maßnahmen zur Bewirtschaftung von Niederschlagswasser zu bewerten und zu vergleichen. Neben ökologischen Bewertungskriterien werden in Langzeitsimulationen auch ökonomische Faktoren wie Lebenszykluskosten und Flächenverbrauch beurteilt. Dies bildet eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine zukunftsorientierte Planung urbaner Infrastruktur.

Hintergrund

Die Urbanisierung schreitet stetig voran. Nach Prognosen der UN werden 68% der Weltbevölkerung bis 2050 in urbanen Gebieten leben. Tagtäglich werden in Österreich rund 13 ha natürlicher Flächen verbaut. Der natürliche Wasserkreislauf wird hierdurch gestört: Der Abfluss nimmt zu, während Evapotranspiration und Grundwasseranreicherung zurückgehen. Die Auswirkungen sind allgegenwärtig: Urbane Überflutungen und die damit verbundenen teils verheerenden Schäden nehmen zu, Schlagzeilen über die brütende Hitze in Städten gehören beinahe schon zum Sommeralltag und die Biodiversität und Freiraumqualität lässt in so mancher „grauen“ Stadt ebenso zu wü-schen übrig. Durch Maßnahmen der naturnahen Niederschlagswasserbewirtschaftung (NWB) kann das Wasser wieder seinem natürlichen Kreislauf zugeführt werden. Abflüsse können somit verringert werden, die Verdunstungskälte trägt zu einem angenehmen Mikroklima bei, während das Grundwasser in einem natürlichen Maße angereichert wird. Zudem können mit Gründächern oder Versickerungsmulden attraktive und lebenswerte Grünoasen geschaffen werden. Derzeit existierende Ansätze zur Dimensionierung naturnaher NWB-Maßnahmen weisen etliche Mängel auf. Insbesondere fehlt es an einer ganzheitlichen und langfristigen Betrachtung des Was-serkreislaufes. Im Zuge der vorliegenden Dissertation wurde eine Methodik zur Auswahl und Dimensionierung von NWB-Maßnahmen entwickelt, welche auf hydrodynamischen Langzeitsimulationen beruht. Bei der Bewertung gehen neben den wasserbilanziellen Aspekten auch die ökonomischen Komponenten der Lebenszykluskosten und des Flächenverbrauchs ein. Für eine transparente und nachvollziehbare Bewertung wurde ein Kennwert entwickelt, welcher die genannten Ziele ganzheitlich abbildet. Gerade im politischen Diskurs und in der Kommunikation mit Entscheidungsträgern ist dies von großem Vorteil. Durch Anwendung der entwickelten Methodik können Städte als Lebensraum attraktiver, effizienter und lebenswerter gestaltet werden.

Jurybegründung

Die Dissertation von Johannes Leimgruber behandelt mit dem Thema der „Naturnahen Niederschlagswasserbewirtschaftung (NWB)“ einen im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels sehr aktuellen Bereich. Die voranschreitende Urbanisierung und die damit einhergehende Flächenversiegelung stören den natürlichen Wasserkreislauf und führen zu negativen Effekten wie urbanen Hitzeinseln, Überflutungen und mangelnder Freiraumqualität. In seiner Arbeit entwickelt Herr Leimgruber eine Methode, um die unterschiedlichen Maßnahmen der NWB („blau-grün-graue Infrastruktur“) zu bewerten, gegenüberzustellen und miteinander zu verknüpfen bzw. mit Beispielen auch in Langzeitsimulationen zu belegen. Besonders hervorheben möchte die Jury, dass die Arbeit neben ökologischen Bewertungskriterien (Wasserbilanz) auch ökonomische Faktoren (Lebenszykluskosten) berücksichtigt was insbesondere für Entscheidungsträgerinnen und -träger im Zuge der Planung von NWB-Maßnahmen von Relevanz ist.

Weitere Informationen

Dissertation, eingereicht an der Technischen Universität Graz, 2019
Betreuer: Prof. Dr. -Ing. Dirk Muschalla

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